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Schüler verärgert / Heute Gespräch mit der Stadt

Feste Klassenräume gibt es an der Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung schon lange nicht mehr. Der Unterricht an der Berufsschule findet aus Platzmangel immer wieder in verschiedenen Räumen statt, manchmal auch in der Aula, der Sporthalle, der Bibliothek oder im Computersaal. Und wenn nirgendwo Platz ist, fällt der Unterricht im schlimmsten Fall aus.

Froh war die Schule deshalb darüber, dass die Stadt ihr vor mehr als einem Jahr das benachbarte Jugendzentrum Bockenheim (Juz) an der Varrentrappstraße angeboten hat, um das Raumproblem zu lösen, wie Schulleiter Malte Lütjens sagt. Umso hilfloser sei er jetzt. Denn das Haus ist im August vergangenen Jahres von Mitgliedern der selbstverwalteten Kulturinitiative „Faites votre jeu“ besetzt worden – und die beansprucht das Haus für sich, als Atelier- und Ausstellungsraum.

Die Verärgerung unter den Schülern der Bildungsstätte wächst. Man habe zwar Verständnis, „ja sogar Sympathie“ für die Künstler; sagte gestern Schülervertreterin Theresa Beuscher. Aber das ändere nichts daran, dass die Schule die Räume im ehemaligen Juz dringend benötige. Ihre MitschülerinEsra Urun wird noch deutlicher: „Durch die Besetzer werden wir bei unserer Förderung behindert. Diese Studenten haben ihre Schullaufbahn ja schon hinter sich, wir haben noch nicht einmal den Grundstock gelegt.“

Es gehe nicht darum, die Bedürfnisse der Schüler und kulturelle Interessen gegeneinander auszuspielen, meint Tilmann Stoodt, der die Beruflichen Schulen in Frankfurt vertritt. Aber dass die Schule eine Dependance irgendwo in der Stadt beziehe, das sei erst recht nicht hinnehmbar. „Die Schule kann nicht, anders als die Besetzer, in ein anderes Gebäude ausweichen.“

Die Stadt soll die Situation nun klären: Für heute ist ein erstes Gespräch zwischen Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) und den Besetzern geplant. Daran teilnehmen wird auch der Frankfurter Pädagogikprofessor Micha Brumlik, der als Mediator fungieren soll. In dem Gespräch wird es vor allem um ein Ersatzobjekt gehen, das die Stadt der Kulturinitiative anbieten will. Zwei Gebäude hatte sie schon offeriert, die Besetzer aber haben abgelehnt.

Schulleiter Lütjens wird an dem Gespräch nicht beteiligt sein, wie er sagt, und er hat auch sonst wenig Einflussmöglichkeiten. „Wir warten ab, was sich ergibt, und hoffen, dass die Besetzer das neue Angebot für ein Ersatzobjekt annehmen werden“, sagt er. Aber trotz aller Dringlichkeit: An einer gewaltsamen Räumung sei auch die Schule nicht interessiert. isk.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2009