Im August 2008 besetzte die Initiative Faites votre jeu! ein seit sieben Jahren leerstehendes, ehemaliges Jugendzentrum in Bockenheim. Nachdem bereits im Januar mit polizeilicher Räumung gedroht wurde, musste die Initiative das Gebäude im April 2009 schließlich verlassen. Die Arbeit der Initiative und deren breite Unterstützung führte aber dazu, dass die Stadt nach langen Verhandlungen das ehemalige Gefängnis ›Klapperfeld‹ als Ersatzobjekt anbot.

Damit hat die Initiative zwar neue Räume in der Innenstadt, allerdings bringt das neue Domizil auch jede Menge Schwierigkeiten mit sich. Um die über 100 Jahre alten Gefängniszellen für die geplanten Projekte nutzbar zu machen, sind aufwendige Renovierungsarbeiten notwendig. Die Arbeit der Initiative wird zusätzlich erschwert, weil die Stadt entgegen den Absprachen die von ihr zugesicherten Renovierungsmaßnahmen immer noch nicht abgeschlossen hat.

Allerdings stellt die Raumsituation nur einen Teil des Problems dar. Die Entscheidung in das ehemalige Gefängnis zu gehen, war aus verschiedenen Gründen keine leichte. Neben der Tatsache, dass mensch dem Gebäude seine düstere Vergangenheit anmerkt, stellt sich die Frage, wie mit einem Gebäude umgegangen werden soll, das seit 1886 Ort staatlicher Verfolgung und Repression war? Sollte mit der Besetzung doch ein Raum geschaffen werden, der einen Gegenpol auch zu den alltäglichen gesellschaftlichen Repressalien bildet.

Für die Initiative wurde ziemlich schnell klar, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gefängnisses eine notwendige Bedingung für sie darstellt, um das Gebäude zu nutzen. Es hat sich daher auch schnell ein Arbeitskreis gegründet, der bereits erste Interviews mit Zeitzeugen geführt hat und derzeit an einer Ausstellung arbeitet. Aktuell befasst sich der Arbeitskreis insbesondere mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Das Klapperfeld war einer von mehreren Orten, die der Gestapo zur Inhaftierung und Folter von Häftlingen dienten. Zahlreiche Jüdinnen und Juden kamen ins Klapperfeld, bevor sie in Konzentrationsund Vernichtungslager deportiert wurden. Auch viele Widerständler_innen wurden hier inhaftiert, wie etwa der mittlerweile über 100jährige Zeitzeuge Hans Schwert, der als KPD-Mitglied hier ein Jahr inhaftiert war und von Gestapobeamten gefoltert wurde.

Die Initiative möchte sich in ihrer weiteren Arbeit auch darüber hinaus mit den anderen Teilen der über hundertjährigen Gefängnisgeschichte auseinandersetzen. Da bleibt viel zu tun, denn das Klapperfeld wurde gleich nach dem Krieg bis 2003 weiter genutzt. Gerade während der Studierendenproteste der sechziger Jahre wurden viele Demonstrant_innen dorthin gebracht, wie später auch bei den Protesten gegen die Startbahn West, den Demonstrationen nach dem Tod Günter Sares durch einen Wasserwerfer der Polizei oder zuletzt 2001 bei einer Antinazidemo am 1. Mai. In den letzten Jahren wurde das Gefängnis bis 2003 als Abschiebeknast genutzt – laut offizielleren Angaben eines Polizeihistorikers zwar nur bis November 2001, allerdings lassen zahlreiche Graffitis und Presseartikel darauf schließen, dass erst 2003 wirklich Schluss war.

Es bleibt zwar viel zu tun, aber die ersten Räume sind renoviert und eingerichtet und seit dem 1. Juli gibt es wieder Programm. Neben regelmäßigen Barabenden fanden bereits wieder diverse politische und kulturelle Veranstaltungen statt. Einen Schwerpunkt bildet dabei die geschichtspolitische Auseinandersetzung. Die ersten Ergebnisse dieser Auseinandersetzung können im ersten Teil der Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses »Klapperfeld« betrachtet werden.
Weitere Informationen und das aktuelle Programm gibt es unter: www.faitesvotrejeu.tk

diskus – Frankfurter Student_innen Zeitschrift (Ausgabe 1/09) (download pdf)

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