Besucher im Hof des ehemaligen Gefängnis Klapperfeldstraße. (Foto: Rolf Oeser)

Ergänzung zum CSD in Frankfurt

Ein linkes Bündnis will den Christopher Street Day politischer machen und bietet ein zweitägiges Ergänzungs- und Alternativprogramm zum CSD aus Kunstausstellung, Workshops und Filmen.

Als im Verlauf des Wochenendes die ersten Berichte und Fotostrecken vom Christopher Street Day (CSD) im Internet erscheinen, posten konservative Leser erwartungsgemäß angewiderte Kommentare ob des „grotesken Schauspiels“ und der „obszönen Sex-Demonstration“. Im überwiegenden Teil der schwul-lesbischen Community hingegen gilt der CSD wahlweise als die größte Party des Jahres oder als eine Art zu zeigen, dass man eigentlich gar nicht so anders ist als die heterosexuelle Mehrheit: Fast alle Parteien haben Wagen auf der CSD-Demo, gleiches gilt für die großen marktwirtschaftlichen Unternehmen und Banken.

„Mehr ein kommerzielles Fest als eine politische Demonstration“ sei der CSD auf der Konstablerwache mittlerweile, findet ein Bündnis aus verschiedenen linken Gruppen, das sich in diesem Jahr zum zweiten Mal zum „Transuniversalen“ CSD (TCSD) zusammengeschlossen hat und ein zweitägiges Ergänzungs- und Alternativprogramm aus Kunstausstellung, Workshops und Filmen anbietet.

Die Aktivistinnen wollen dem Begriff „Queer“ wieder die politische Dimension geben, die er vor 50 Jahren hatte, wie eine Rednerin auf dem Stadtspaziergang fordert, der am Freitagnachmittag den Auftakt zum TCSD macht. Auf Transparenten bekunden etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Solidarität mit den Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos, fordern „Analverkehr statt Kapitalverkehr“ oder bezeichnen sich selbst stolz als „wild, revolutionär, pervers“.

Diskussion und Vernetzung

Denn in die Mitte der Gesellschaft, wo der Großteil der schwul-lesbischen Community mittlerweile angekommen sei, wollen die Organisatorinnen des TCSD nie hin, wie es im Selbstverständnis auf der Homepage heißt. Stattdessen soll das queer-feministische Festival im ehemaligen Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße all jenen einen Ort bieten, die sich in „heteronormativen, kapitalistischen und rassistischen Gesellschaftsstrukturen nicht zu Hause fühlen“.

Während also unweit an der Konstablerwache Tausende von Besucherinnen und Besuchern feiern, diskutieren die Menschen beim TCSD darüber, wie queere Beziehungsweisen und Familienstrukturen abseits von Ehe und traditionellen Konzepten entstehen können, erfahren von den Problemen von homo- oder transsexuellen Flüchtlingen oder nutzen die Gelegenheit, sich in Gruppen von ausschließlich Schwarzen Aktivistinnen zu vernetzen.

Alles ist aber nicht anders beim TCSD als auf der nahe gelegenen Konstablerwache: Als am Samstagabend die Sonne untergeht, sitzen die Besucherinnen und Besucher mit bunten Cocktails im Innenhof des Klapperfelds, der mit viel Glitzer, bunten Scheinwerfern und Girlanden aus Luftballons geschmückt ist – in Regenbogenfarben.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.transuniversal.tumblr.com.


Frankfurter Rundschau, 19.07.2015
Von János Erkens

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